26.05.2015

1001 tareas por hacer

2do or not 2do, das ist hier die Frage
Topf-Allerlei
Liebe Leserinnen und Leser,

seit der Vertragsunterzeichnung ist bereits eine Menge Zeit vergangen, die ich auf verschiedenen Wegen für meine Reisevorbereitung genutzt habe. Was alles zu erledigen ist und wie sich (m)eine Behinderung darauf auswirkt, teile ich heute mit Ihnen und Euch. Das hat den Effekt für Sie, etwas mehr über die Phase zu erfahren, die einem Freiwilligendienst voraus geht und den Nebeneffekt für mich, dass ich schreibend gleichzeitig meine Gedanken sortieren und meine To-do-Liste neu strukturieren kann.

Was ist zu tun?
Die Liste meiner Aufgaben erinnert an die Kindergeschichte über den Topf voller Knödel, der sich immer, wenn sich sein Inhalt zusehends leerte, wie durch Zauberhand selbst wieder auffüllte. Denn immer, wenn ich eine Aufgabe erledigt habe, fällt mir wieder eine neue ein. Was dies für Aufgaben sind hängt dabei von meiner Lebenssituation, meinem Zielland und dem Zweck meiner Reise ab. Da ich also als Studentin für ein Jahr in ein südliches Schwellenland reise, sind folgende Punkte, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, besonders wichtig:

Wohnung
Kartons über Kartons stapeln sich derzeit auf meinen 23qm. Da ich im Studentenwohnheim lebe, muss ich natürlich das Apartment räumen, wenn ich für die Dauer von zwei Semestern nicht hier bin. Das aber überschneidet sich günstig mit dem Ende meines Mietvertrags. Viele helfende Hände unterstützen mich dabei, meinen Krempel wagenladungsweise aus meiner Bude abzutransportieren. Faszinierend dabei ist, wie sich Kram innerhalb von fünfeinhalb Jahren exponentiell (so die These) vermehren kann. Kennt noch jemand die Übungen zur Exponentialfunktion aus dem Matheunterricht, bei der man besonders alltagsnah das Wachstum von Algen berechnen sollte? Das würde auch prima mit dem Inhalt meiner Wohnung funktionieren und wer es mit dem Saubermachen nicht so streng sieht, kann das nach ein paar Wochen sogar mit Algen kombinieren.

Sprache
Sprache ist für jede menschliche Interaktion fundamental und, wie ich meine, der Schlüssel zur erfolgreichen Konfliktvermeidung und –behebung. Zugegeben, mein Schlüssel ist noch reichlich schwergängig, aber paso a paso komme ich hoffentlich eines Tages zum Ziel. Dabei helfen mir ein muttersprachlicher Tandempartner, ein dreistündiger Sprachkurs an meiner Uni, ein Haufen an Selbstlernlektüre und eine Berieselung durch mexikanisches Radio.

Landeskunde
Tequila, Sombreros und Drogenkartelle. Oder doch nicht? Das Thema Landeskunde ist besonders bei den Vorbereitungsseminaren zentral. Von Seiten der Entsendeorganisation gehörten bisher v.a. alte Hochkulturen, die jüngere Geschichte und aktuell politische Fragen zu den Themen, die angesprochen bzw. auf die aufmerksam gemacht wurde/n. Ich erwarte gespannt, was im zweiten Vorbereitungsseminar kommende Woche hinzukommt. Derweil ergänze ich das Angebot durch eigene Recherchen. Zurzeit beschäftigt mich dabei ein „Fettnäpfchenführer“ Mexikos.

Reiseunterlagen
Ohne Papiere geht außerhalb der EU natürlich gar nichts. Daher liegt mein druckfrischer Reisepass bereits bereit. Das Einreisevisum, das, wie der Name ungemein subtil andeutet, gilt nur für die Einreise und wird in einer gemeinsamen Aktion kommende Woche während des Seminars beantragt. Um dauerhaft, d.h. ein volles Jahr im Land bleiben zu dürfen, werde ich in Mexiko selbst ein anschließendes Aufenthaltsvisum beantragen müssen.

Gesundheit
Als erstes sollte man dabei an Impfungen denken und das möglichst früh, da je nach Impfstoff mehrere Termine mit mehrwöchigem Abstand notwendig sind. Welche Impfungen für das Zielland empfohlen werden, weiß der Arzt oder können Sie selbst bei der Ständigen Impfkommission (STIKO) oder dem Auswärtigen Amt nachlesen. Für das Land Mexiko fallen Impfungen gegen Hepatitis A und B, Typhus und Tollwut an. Was jeder Reisende beachten sollte ist, dass die Kosten für die Impfstoffe mehrere Hundert Euro erreichen können und von vielen Krankenkassen nicht oder nicht vollständig getragen werden.

Finanzen
Regelmäßigen Leserinnen und Lesern werden meinen Spendenaufruf schon gesehen haben, sodass ich mich hier dazu nur kurz fasse.
So ein Auslandsjahr ist ganz schön kostspielig. Die dafür aufgewendeten finanziellen Mittel werden vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zu 75% refinanziert. Die übrigen 25% muss das Welthaus als Entsendeorganisation aufbringen, sodass jede/r Freiwillige 2500€ selbst über Spenden einbringen soll. Wir Freiwillige fungieren dabei gleichzeitig als Multiplikatoren, um das Projekt bekannter zu machen und so sein Fortbestehen zu gewährleisten.
Hier finden Sie einen Link für nähere Infos zu meiner Spendensuche.

Und wie wirkt sich die Behinderung auf die Vorbereitung aus?
Last but not least stellt sich die Frage, wie sich so eine Sehbehinderung in der Vorbereitungsphase darstellt. Tatsächlich bereitet sich, wer eine Behinderung hat und eine Auslandsreise plant, nicht grundlegend anders vor, als jemand ohne Behinderung. Denn die wesentlichen Bereiche, die einer sorgsamen Vorbereitung bedürfen, hängen nicht von der Person selbst, sondern eher von der Art und dem Ziel der Reise ab. Worin ein Unterschied aber liegen kann, sind die Schwerpunkte der vorbereitenden Arbeiten und das wiederum mag von Behinderung zu Behinderung und vor allem von Mensch zu Mensch verschieden sein.
Da ich nun in ein Gebiet reise, das aufgrund der geographischen Lage – größere Nähe zum Äquator und Höhenlage – durch eine starke UV-Strahlung geprägt ist, steht für mich im Mittelpunkt der Vorsorge das Thema Hautschutz. Da jeder Mensch mit Behinderung im Idealfall ein Experte oder eine Expertin in eigener Sache ist, d.h. weiß, was er oder sie benötigt und worauf zu achten ist, habe auch ich in den letzten Jahren das eine oder andere mehr über UV-Schutz gelesen und weiß, dass schon unsere deutsche Sommersonne für jeden und insbesondere für meinen Hauttyp gefährlich sein kann. Der Schutz, den der Aufenthalt in Mexiko erforderlich macht, muss also entsprechend größer sein. Doch da ich bereits hier viel Sonnencreme nutze und die Mittagssonne grundsätzlich meide, bleibt nicht mehr viel Luft nach oben. Daher greife ich für Mexiko auf UV-Schutzkleidung zurück, die, anders als handelsübliche Textilien, bei luftiger Verarbeitung und Materialwahl einen guten Schutz bietet.
Da auch in den Augen sehr schnell Netzhautschäden durch UV-Strahlung entstehen können, ist an dieser Stelle ein guter und vor allem an den Seiten abschließender Sonnenschutz notwendig. Hier besteht für mich das zusätzliche Erfordernis, dass eine gute Balance zwischen Blendschutz und Kontrastreduktion gefunden werden muss. Diese Balance findet sich für meine Bedürfnisse leider erst mit aufsteigenden Brillenkosten. Qualität hat ihren Preis. Ergänzend kann hier übrigens eine Kappe vor senkrecht einfallender Strahlung und Blendung schützen.
Diese Ausrüstung habe ich letzte Woche in einem speziellen Laden besorgt und obwohl die Preise für jeden einzelnen Artikel durchaus angemessen waren, kam eine stattliche Summe zusammen. Mit Behinderung ins Ausland zu reisen kann also auch eine zusätzliche finanzielle Belastung sein. Auf jeden Fall aber erfordert es gute Kenntnisse der eigenen Bedürfnisse und Bedarfe und gleichermaßen ein Grundwissen über die Bedingungen im Zielland. Denn nur, wer beide Aspekte zueinander in Beziehung zu setzen weiß, wird sich adäquat vorbereiten können.

So weit, so vorbereitet, aber die To-do-Liste ist lang und so wird mich die Vorbereitung auch in den kommenden Wochen weiter beschäftigen. Sicher noch immer die bisherigen Themen und noch sicherer weitere Themen, wie Versicherungen, medizinische Versorgung, Kommunikation oder Sehhilfen.

Saludos cordiales,
Vej
Good lucky, saludos desde brazil
leonardo 15.06.2015 - 20:44 Uhr
Du bist schon einmalig, mit dem, was Du da alles auf die Beine stellst!
Sag bloß nicht nochmal, Du seist nicht organisiert!!!
Respekt, meine Liebe!!!
*knuffel*
P.S.: Ich stehe Dir weiterhin mit Rat und Tat zur Verfügung!!!
Möhre 28.05.2015 - 16:46 Uhr








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